Kaiser Wilhelm der Grosse

von Thorsten Totzke


Kaiser Wilhelm der Grosse
Sammlung Thorsten Totzke

Am 04. Mai 1897 war in Stettin im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los.

Der Kaiser persönlich war anwesend und die Frau des NDL Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Plate, taufte das Schiff, auf Wunsch des Kaisers Wilhelm I, auf den Namen Kaiser Wilhelm der Grosse.

Nur 4 Monate später, am 12. September, wurde das größte Schiff der Welt abgeliefert.

Bereits auf der Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York vom 19.09.1897 - 26.09.1897 zeigte der Lloyd was der Stand der Dinge war.


Die Schornsteine werden montiert
Sammlung Thorsten Totzke

Mit einer Überfahrtsdauer von nur 5 Tagen 15 Stunden 46 Minuten zeigte man deutlich wohin die Reise führen sollte.

Tags darauf stürmten ca. 40000 Besucher zur Besichtigung des neuen Rekordbrechers an Bord. Jeder zahlte 1 Dollar und somit kamen rund 40.000 Dollar für wohltätige Zwecke zusammen.

Vom 23.11.1897 bis zum 29.11.1897 ging es dann auf Rekordfahrt.

Von Sandy Hook nach den Needles schaffte es der "Dicke Wilhelm", wie das Schiff in Deutschland genannt wurde, in 5 Tagen 17 Stunden und 23 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigeit von 22,33 Knoten.


Brief der mit der Kaiser Wilhelm der Grosse befördert wurde
Sammlung Thorsten Totzke

Dies bedeutete zum ersten Mal das Blaue Band für Deutschland in West-Ost Richtung Kaiser Wilhelm der Grosse hieß bei den Deutschen bald nur noch "Grosser Kaiser" oder "Dicker Wilhelm" und bei den Amerikanern aufgrund eines ungünstigen rollen des Schiffes "Rolling Billy".

Neben dem normalen Fahrplan wurde vom 25.03.1898 - 27.03.1898 eine kurze Kreuzfahrt in die Nordsee eingelegt.

Grund hierfür war die Anwesenheit seiner Majestät des Kaisers, der mit 60 Mann Gefolgschaft die Reise genoss.


Beginn der Probefahrt
Sammlung Thorsten Totzke

Direkt im Anschluss ging es in neuer Rekordzeit nach New York.

Vom 30.03.1898 bis zum 05.04.1898 dauerte die Reise und die Strecke von den Needles nach Sandy Hook wurde in 5 Tagen 20 Minuten erledigt, dass 22,29 Knoten bedeutete.

Das hieß Gewinn des Blauen Bands zum ersten Mal für Deutschland auch auf dem Ost-West Kurs.


Kaiser Wilhelm der Grosse
Sammlung Thorsten Totzke

Am 20.06.1898 erreichte der "Dicke Wilhelm" New York mit einem kaputten Ruder und wurde im Trockendock repariert.

Die Kaiser Wilhelm der Grosse wurde am 21.09.1899 als erstes Schiff im neuen Kaiserdock I in Bremerhaven gedockt.

Am Samstag dem 30.06.1900 liegen an den vier amerikanischen Piers des Norddeutschen Lloyd neben der Kaiser Wilhelm der Grosse auch noch die Bremen, Main und die Saale.

Nachmittags gegen 16 Uhr geraten aus unbekanntem Grund einige Baumwollballen in Brand. Das Feuer greift rasend schnell um sich und in kürzester Zeit stehen die Schuppen und hölzernen Anlagen auf allen vier NDL Piers in Flammen.


Gesellschaftszimmer
Sammlung Thorsten Totzke

Das Feuer wurde erstmals um 15.55 Uhr an Pier 3 von dem Wachmann William Northmaid gesichtet, der es umgehend meldete.

Das Feuer hatte innerhalb von Minuten auch die Fässer mit Öl, Terpentin und Whisky erreicht die auf den Piers standen und die sofort in Flammen aufgingen und explodierten.

Der starke Wind fachte die Flammen immer mehr an und innerhalb von nur neun Minuten brannte das ganze Gelände. Die Ausmaße und die Gewalt des Feuers waren so groß, dass die angrenzenden Piers der HAPAG gesprengt wurden, um das weitere Ausbreiten der Flammen zu verhindern.

Sofort wurde alles unternommen, um die Schiffe an den Piers zu retten.


Brief der mit der Kaiser Wilhelm der Grosse befördert wurde
Sammlung Thorsten Totzke

Die mit löschen und laden beschäftigten Schiffe neben der Kaiser Wilhelm der Grosse waren vom Norddeutschen Lloyd auch die Bremen, Main und Saale.

Die Kaiser Wilhelm der Große kam noch glimpflich davon. Da die gesamte Besatzung an Bord war und auch Dampf in den Kesseln war gelang es ihr mit eigener Kraft in den Hudson zurückzusetzen.

Die Besatzung schaffte es die Flammen, die mit erschreckender Geschwindigkeit auf die Schiffe übergegriffen zu löschen.


Kaiser Wilhelm der Grosse
Sammlung Thorsten Totzke

Die Main, die etwa 150 Menschen an Bord hatte, ging an der Pier in Flammen auf und konnte nur auf eine Sandbank geschleppt werden.

Auf der Bremen wurde gerade eine Besichtigung durchgeführt und rund 100 Besucher streiften durch das Schiff.

Auch hier griff das Feuer in kürzester Zeit über.


Kaiser Wilhelm der Grosse im Trockendock
Sammlung Thorsten Totzke

Auch die Bremen konnte, vollständig brennend, auf eine Sandbank gezogen werden. Das Feuer auf den beiden Schiffen konnte gelöscht und viele Menschen gerettet werden.

Die Saale war nicht zu retten. Ihre Leinen wurden losgeschnitten und das Schiff strandete ebenfalls auf einer Sandbank, wo es dann komplett ausbrannte.

Die Menschen, die sich an Deck befanden, konnten sich meist mit einem Sprung in den Hudson River retten. Diejenigen, die unter Deck waren, hatten keine Chance. Nachdem das Schiff gehoben war, wurden die verkohlten Überreste von 99 Menschen aus dem Rumpf geborgen.

Auch der Kapitän der Saale, J. Mirow, war unter den Todesopfern.


Brief der mit der Kaiser Wilhelm der Grosse befördert wurde
Sammlung Thorsten Totzke

Erst um 21.30 Uhr abends hatten Feuerwehr und Polizei das Feuer unter Kontrolle. Über dem Gelände lag tagelang eine riesige Rauchwolke.

Der "Grosse Kaiser" hatte Glück diesem Inferno zu entkommen.

Auch sonst ereignete sich in diesem Jahr nichts Großartiges mehr, außer das die KWDG auf einer Überfahrt im November ein Propellerblatt verlor.

Sechs Jahre später, am 21.11.1906, hatte man weniger Glück.


Promenadendeck
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Vor Cherbourg rammte der britische Dampfer Orinoco der Royal Mail Line im Nebel die Kaiser Wilhelm der Grosse.

Dabei kamen auf der Orinoco 3 Seeleute ums Leben und auf der KWDG starben 5 Passagiere. Elf Monate später legte die Kaiser Wilhelm der Grosse am 22.10.1907 in New York ab.

Nach rund 60 Stunden Fahrt fällt das Ruder komplett aus und Captain Polack bleibt nur noch das Schiff mit den beiden Schrauben zu steuern.

Zu allem Übel geriet man auch noch in einen Sturm.


Kaiser Wilhelm der Grosse im Trockendock
Sammlung Thorsten Totzke

In Deutschland angekommen, wurde das Schiff erstmal aus dem Dienst genommen und komplett renoviert. Hierbei wurde von der Bauwerft nicht nur das Heck komplett erneuert, sondern auch die große Kuppel über dem Speisesaal der ersten Klasse entfernt.

Außerdem gab es einen neuen Damen Salon und eine neue Lounge und auch einige neue Kabinen wurden eingebaut. Die langen Tische im Salon wurden durch kurze ersetzt.


Speisesaal
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Nach diesen umfangreichen Umbauten erreichte die Kaiser Wilhelm der Grosse nach knapp 6 Monaten Abwesenheit am 01.04.1908 wieder den Hafen von New York und nahm damit den Dienst wieder auf.

Am 30.08.1909 erreichte das Schiff New York und der Kapitän berichtete, dass man auf der Überfahrt in Höhe der Neufundlandbänke einen Wal gerammt hatte.

Dieser wurde bei der Kollision schwer verletzt und musste sterbend zurück gelassen werden.

Am Schiff entstanden keine Schäden.


Kaiser Wilhelm der Grosse im Trockendock
Sammlung Thorsten Totzke

Auf der nächsten Fahrt, die am 14.09.1909 in New York endete, war John Jacob Astor, einer der reichsten Männer der Welt an Bord. JJ reiste gerne und oft mit den Schiffen der Kaiserklasse.

Er fand seinen Tod nur wenige Jahre später beim Untergang der Titanic.


Kaiser Wilhelm der Grosse im Trockendock
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Im Winter 1913/1914 wurde der "Dicke Wilhelm" dann zu einem reinen Auswandererschiff umgebaut.

Gerade wieder im Dienst, rammte man am 19.03.1914 nachts auf der Nordsee einen Dreimaster.

Dieser sank, ohne dass man seine Identität feststellen konnte. Es wurden auch keine Überlebenden gefunden.

Bei Kriegsausbruch befand sich die Kaiser Wilhelm der Grosse in Bremerhaven und wurde hier mit vier 10,5 cm Schnelladekanonen ausgerüstet und am 02.08.1914 als Hilfskreuzer der deutschen Marine in Dienst gestellt.

Am 17.08.1914 ging die Kaiser Wilhelm der Grosse in etwa 2 Kilometer Abstand vor der Westküste Afrikas vor Anker und bekam dort von den beiden deutschen Schiffen Magdeburg und Bettania neue Kohlevorräte.

Auf hoher See ging das natürlich nur sehr langsam voran.

Neun Tage später am 26.08.1914 ist man noch immer am Kohlevorräte ergänzen als der britische Kreuzer Highflyer den Hilfskreuzer zum Gefecht stellt.


Kaiser Wilhelm der Grosse
Sammlung Thorsten Totzke

Die Highflyer wurde offensichtlich von einem Beobachter an Land informiert.

Unter Missachtung der spanischen Neutralität eröffnete der Kreuzer um 15:10 Uhr das Feuer.

Die Kaiser Wilhelm der Grosse verschoss seine gesamte Munition und traf die Highflyer ganze 10 mal.

Dann befahl Fregattenkapitän Reimann das Schiff mit Sprengladungen selbst zu versenken.

Die Highflyer stellte das Feuer um 16:25 Uhr ein und um 17:10 Uhr sank die Kaiser Wilhelm der Grosse.

Das Schiff kenterte auf die Seite und blieb dort, aus dem Wasser ragend, liegen. Erst 1952 wurden die Überreste des ersten Vierschornsteiners verschrottet.


Kaiser Wilhelm der Grosse
Sammlung Thorsten Totzke

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