Rex

von Thorsten Totzke


Mützenband der Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Der italienische Diktator Benito Mussolini suchte immer nach Möglichkeiten, um mehr Aufmerksamkeit für sein Land zu bekommen.

Anfang der 30er Jahre wollte er auch auf dem Nordatlantik mit einem großen und schnellen Schiff vertreten sein, welches den Schiffen der anderen Länder mindestens ebenbürtig sein sollte.

Er versprach daher den Italienischen Reedereien "Navigazione Generale Italiana" (NGI), "Consulich Line", und "Lloyd Sabaudo" riesige Subventionen, wenn diese sich zusammenschließen würden.

So entstand mit Wirkung vom 2. Januar 1932 die "Societa di Navigazione Italia", die aber nur "Italia" genannt wurde. Als die neue Gesellschaft gegründet wurde, befand sich das neue Riesenschiff bereits im Bau.

Im Dezember 1929 hatte die "Navigazione Generale Italiana" (NGI) bei der Werft G. Ansaldo & Co., Sestri Ponente, Genua, nämlich bereits ein Schiff bestellt, welches am 1. August 1931 als Baunummer 296 unter dem Namen "Gugliemo Marconi" vom Stapel gelaufen war.

Die Italia beschloß nun, das neue Schiff nach seiner Fertigstellung als "Rex" in Dienst zu stellen.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Das neue 268,2 Meter lange und 29,5 Meter breite Schiff brachte im September 1932 seine Probefahrten erfolgreich hinter sich. Dabei wurde mit der Kombination von 14 ölbefeuerten Kesseln (die eine Kraft von 142000 PS entwickelten), die vier Satz Parsons Getriebeturbinen von der Bauwerft antrieben, über neun Stunden lang eine Geschwindigkeit von 28,9 Knoten erreicht.

Danach wurde das Schiff der Reederein übergeben und auf seine Jungfernreise vorbereitet.

Als Besonderheit der "Rex" und ihres sogenannten Schwesterschiffes "Conte Di Savoia", - beide waren auf unterschiedlichen Werften gebaut worden und wurden von verschiedenen Reedereien im Auftrag gegeben - konnten in Fahrtrichtung riesige Lüftungsklappen in den beiden Schornsteinen geöffnet werden.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

An dem Tag, an dem die Jungfernreise beginnen sollte, herrschte höchste Aufregung an Bord.

Der "Duce" (Mussolini) höchstpersönlich hatte sein Erscheinen angesagt. Er besichtigte die sieben Decks des 51.062 BRT-Schiffes und sah den herrrlichen Ballsaal vor der Haupthalle, der als der prachtvollste Raum an Bord galt. Mit seinen 2400 m² war er überdies der größte bis dahin auf einem Schiff eingebaute Raum.

Mussolini sah außerdem den Wintergarten, das Theater, ein Kino, Kunstgalerien, Läden und Rauch- Lese- und Schreibsalons. Außerdem hatte die "Rex", da man ja auf der südlichen Route fuhr ein offenes Schwimmbad an Deck.

Um dieses Becken herum gab es sogar einen echten Sandstrand. Von diesem Sand sollen besonders die Kinder begeistert gewesen sein, während die Stewards sich sehr darüber ärgerten.

Der Duce nahm an Bord der Rex noch sein Mittagessen zu sich, bevor er das Schiff verließ.


Speisekarte der Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Als Passagiere waren zum Beispiel Harold Vanderbilt, Jimmy Walter (Ex-Bürgermeister von New York) und Francis Spellmann, der seinen neuen Posten als Weihbischof von Boston antreten sollte (und den man später als Kardinal bei der Hochzeit von Grace Kelly und Rainer III. Fürst von Monaco wiedertraf) an Bord.

Als alle Passagiere und alles Gepäck an Bord war, verließ die "Rex" den Hafen von Genua mit Ziel Villefranche, wo noch Passagiere an Bord genommen werden sollten. Von hier sollte die "Rex" Kurs auf New York nehmen.

Als die Passagiere jedoch am nächsten Morgen erwachten und dachten, sie würden jetzt die endlose Weite des Atlantik sehen, waren sie sehr erstaunt. Neben dem Schiff erhoben sich die Klippen von Gibraltar.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Am Anschlagbrett des Zahlmeisters fanden die Passagiere dann eine Notiz, dass die "Rex" für Reparaturarbeiten im Hafen bleiben mußte. Um was für einen Schaden es sich genau handelte, wurde nicht publik gemacht.

Was war passiert?

Vor der spanischen Küste in Sichtweite von Malaga begannen sämtliche Lichter des Schiffes zu flackern, ehe sie ganz ausgingen. Zwei der drei Turbogeneratoren der "Rex" waren ausgefallen.

Das Schiff schleppte sich in den Hafen von Gibraltar. Während der fünfstündigen Überfahrt von Malaga hatten Passagiere im gesamten Schiff ein rhythmisches Klopfen gehört, als schlüge etwas auf einer sich drehenden Welle auf ein sich nicht mitdrehendes Hindernis.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Nun lag die "Rex" auf ihrer Jungfernfahrt im Hafen von Gibraltar fest. Die meisten Passagiere nutzen den unfreiwilligen Aufenthalt, um sich die Gegend anzusehen. Doch ein so kleines Fleckchen wie Gibraltar wird schon am zweiten Tag sehr langweilig.

Als das Schiff den dritten Tag im Hafen lag, waren viele Passagiere nicht mehr so gut auf das neue Schiff zu sprechen. Gott sei Dank traf an diesem Tag die Vulcania aus Genua mit den dringend benötigten Ersatzteilen ein.

Die Reederei bot den Passagieren die Überfahrt mit der Vulcania an, wovon 60 Fahrgäste Gebrauch machten und auf das kleinere Schiff wechselten. 15 weitere Passagiere ließen sich an Land bringen. Jimmy Walker (ex Bürgermeister von New York) nahm 1 1/2 Tage Zugfahrt auf sich, um rechtzeitig in Cherbourg die "Europa" des Norddeutschen Lloyd zu erreichen.

Am 2. Oktober 1932 gab der Gutachter von Lloyds dann seine Zustimmung und das Schiff konnte die unterbrochene Jungfernfahrt fortsetzen.

Nach diesem Pannenstart blieb die "Rex" von weiteren Pannen Gott sei Dank verschont.


Speisekarte der Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Allerdings gab es eine andere Geschichte, die für die Italia schlechte Publicity bedeutet hätte, wenn sie jemals bekannt geworden wäre.

Auf einer Überfahrt suchte eine Passagierin der ersten Klasse 2 Tage nach der Abfahrt den Schiffsarzt auf und klagte über rote Flecken auf dem Rücken. Sie erhielt eine Salbe und den Rat nicht zuviel Kaviar zu essen. Als aber am nächsten Tag andere Passagiere mit identischem Aufschlag auftauchten, berichtete der Arzt seinem Kapitän unter vier Augen, daß es in der Ersten Klasse von Flöhen wimmelte.

Sie stammten vermutlich von dem während der letzten Reise in der Dritten Klasse gemeldeten Ungeziefer ab.

Das Schiff wurde daraufhin ausgeräuchert. Wie durch ein Wunder drang der Skandal der "Rex-Plage" nie an die Öffentlichkeit.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Während des Winters waren keine Rekordversuche der Rex vorgesehen.

Für das Jahr 1933 hatte man Kapitän Tarabotto aber eine Rekordreise zugesagt.

Den Termin für die Überfahrt sollte er selbst bestimmen. Er wählte den August und er war erfolgreich.

Auf der Überfahrt, die am 11.8.1933 in Genua begann und am 16.08.1933 in New York endete, erreichte die "Rex" eine Durchschnittsgeschwindikeit von 28,92 Knoten. Sie legte die 3181 sm lange Strecke von Gibraltar bis zum Ambrose Feuerschiff in 4 Tagen 13 Stunden und 58 Minuten zurück.

Mit dieser Leistung ging das Blaue Band des Atlantik zum ersten und einzigen Mal nach Italien.

Die Besatzung hisste auf Grund dieses Erfolges am Großmast ein 29 Meter langes wimpelförmiges Blaues Band, welches in riesigen Buchstaben den Namen des Schiffes zeigte.

Jeder Meter des Bandes stand für einen Knoten des neuen Geschwindikeitsrekordes.


Festsaal der Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Anfang 1935 gab Harold K. Hales einem Juwelier den Auftrag, eine riesige Trophäe herzustellen, die dem schnellsten Schiff auf dem Atlantik zustehen sollte.

Mit der italienischen Regierung vereinbarte er die Übergabe, der heute als "Hales Trophy" bekannten Trophäe für den August 1935. Am 29.5.1935 startete in Frankreich die "Normandie" zu ihrer Jungfernfahrt und nahm der "Rex" das Blaue Band ab.

Kapitän Francesco Tarabotto von der "Rex" sendet an Kapitän Pugnet von der "Normandie" ein Glückwunschtelegramm:

"Meine aufrichtige Gratulation zu diesem großartigen Schiff. Möge es den Ozean der Zeit glücklich queren."

Nun hatte Hales ein Problem. Er hatte mit der italienischen Regierung einen Übergabetermin vereinbart und die "Rex" hatte das Blaue Band verloren.

Er änderte daraufhin ganz einfach die Konditionen, zu denen die Trophäe verliehen wurde. Ein neuer Gewinner müsse erst mal 3 Monate abwarten ob nicht der Vorgänger seinen Rekord erfolgreich verteidigen würde.

So konnte die Trophy wie versprochen erst mal an die "Rex" gehen. Wenn auch nur für 3 Monate.


Rex (rechts) und Conte di Savoia (links)
Sammlung Thorsten Totzke

Am 20.8.1935 bekam die "Rex" die "Hales Trophy" verliehen, ausdrücklich nur für 3 Monate.

Aber schon kurz danach wurde bekannt, daß die "Normandie" ab November umgebaut werden sollte. Da man die Trophäe schlecht auf einer Werft übergeben konnte, gab es einen Kompromiss, daß die Italiener die Trophy schon nach 2 Monaten wieder abgaben.

Die nächsten Jahre verrichtete die "Rex" ihren Dienst pünktlich und zuverlässig.

Im Mai 1940 wurde sie überraschend außer Dienst gestellt. Nur wenige Wochen später, am 10. Juni 1940, trat Italien an der Seite Deutschlands in den 2. Weltkrieg ein.

Die "Rex" befand sich in heimatlichen Gewässern und wurde nach Bari geschickt und dort aufgelegt. Dort lag der Stolz der italienischen Transatlantikflotte dann erst einmal 3 Jahre nutzlos herum.

Am 5. September 1943 wurde sie dann nach Capodistria (bei Triest) verlegt und dort ebenfalls aufgelegt. Nachdem sie auch dort ein Jahr verbracht hatte und die Alliierten anstalten machten, Italien ganz zu erobern, entwickelten deutsche Ingenieure im September 1944 einen Plan, um den Alliierten Triest als Nachschubhafen zu versperren.

Sie wollten die "Rex" an der Hafeneinfahrt versenken, um diese zu blockieren. Fast sofort stellten britische Aufklärungsflugzeuge geschäftiges Treiben auf dem aufgelegten Schiff fest.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

Als man das Schiff langsam den Golf von Muggia entlang küsteneinwärts laufen sah, erriet man, was die Deutschen vorhatten und beschloß, das Schiff zu opfern.

Am 08.09.1944 wurde die "Rex" von britischen Bristol-Beaufighter Flugzeugen mit Raketen angegriffen und geriet in Brand, nachdem sie 59 Raketentreffer hatte einstecken müssen.

Am nächsten Tag gab es einen erneuten Angriff der alliierten Flugzeuge und das stolze Schiff mußte noch einmal 64 Raketentreffer einstecken.

Die "Rex" brannte lichterloh und aus ihrem Rumpf stieg eine 150 Meter hohe Rauchsäule in den Himmel.

Nach kurzer Zeit legte sich das Schiff auf die Seite und blieb in den Untiefen der Bucht Capodistria liegen.

1947 wurde das Wrack geborgen und in Jugoslawien verschrottet.


Rex
Sammlung Thorsten Totzke

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