Imperator

von Thorsten Totzke


Imperator
Sammlung Thorsten Totzke

Am 18. Juni 1910 wurde auf der Vulcan Werft in Hamburg mit dem Bau eines Schiffes begonnen.

Das Schiff sollte die Antwort auf die im Bau befindlichen Ozeanriesen Aquitania, Olympic und Titanic sein.

Es wuchs unter der Baunummer 314 mit einer Größe von 52.117 BRT heran und sollte zu ehren des Deutschen Kaisers den Namen Imperator bekommen. Die neuen White Star Liner Olympic und Titanic würden damit um 6.000 BRT übertroffen.


Imperator im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Kaiser Wilhelm II. sagte ein Schiff dieser Größe könne nicht weiblich sein und daher wurde es dann "Der Imperator". Mit 277,06 m länge und 29,97 m breite war es nicht nur das größte sondern auch noch das längste Schiff der Welt.


Imperator im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Es wurde von vier AEG Vulcan Parsonturbinen angetrieben, die den vier Schiffsschrauben, die aus Bronze bestanden und einen Durchmesser von über 5 m aufwiesen, 185 Umdrehungen in der Minute ermöglichten.

Dazu mußten 46 Kessel in vier Kesselräumen von den Heizern gefüttert werden. In den Kohlebunkern lagerten hierfür über 8.500 Tonnen Kohle.


Imperator im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Am 23. Mai 1912 war es dann soweit. Der Imperator sollte von dem deutsche Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich getauft werden.

Als Taufgeschenk erhielt der Generaldirektor der Hamburg Amerika Linie Albert Ballin vom Kaiser ein aus Silber in 3250 Arbeitsstunden vom Hamburger Juwelier Wilkens nach einer Werftzeichnung gefertigtes Modell des Imperators.


Imperator im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Nachdem die Taufflasche am Bug zersplittert war und sich das Schiff langsam in Bewegung setzte, gab es eine Panne. Der Imperator war mit beiden Ankern vom Stapel gelaufen. Um das Schiff zu bremsen, wurde der Backbordanker gelöst.


Stapellauf
Sammlung Thorsten Totzke

Dies geschah im wahrsten Sinne des Wortes. Das an Bord des Schiffes befindliche Ende des Seiles war nicht befestigt. Es rauschte durch die Ankerklüse und so verschwanden der Backbordanker und meherere Meter Ankerkette in der Elbe.


Stapellauf
Sammlung Thorsten Totzke

Danach begann der Ausbau und die Ausrüstung des Schiffes.

Bei einer Gesamtleistung von 62.000 PS und einer Maximalgeschwindigkeit von 24 Knoten war klar, daß der Imperator nicht bei der Jagd nach dem Blauen Band teilnehmen sollte.

Dafür wurde sehr viel wert auf die Ausstattung des Schiffes gelegt.


Imperator direkt nach dem Stapellauf
Sammlung Thorsten Totzke

Die Kabinen der ersten Klasse befanden sich auf fünf Decks verteilt. Es gab nur noch Kabinen für ein oder zwei Personen.

Das Kaiserzimmer bestanden aus Salon mit Veranda, Frühstückszimmer, zwei Schlafzimmer, zwei Bädern und Toiletten und einem Schrankzimmer.


Imperator in der Ausrüstung
Sammlung Thorsten Totzke

Die Kabinen der zweiten Klasse lagen alle auf dem unteren Promenadendeck. Die Kammern der dritten Klasse befanden sich auf dem Decks 2 bis 4.

Selbst für die 1008 Zwischendeckpassagiere gab es einfache Kammern.

Drei Treppenaufgänge und drei Personenfahrstühle, die vom 2. Deck bis zum Bootsdeck fuhren, standen den Passagieren der ersten Klasse zur Verfügung.


Imperator im Trockendock
Sammlung Thorsten Totzke

Der Hauptspeisesaal bot Platz für 700 Passagiere. Seine Höhe betrug 8,5 Meter und die Kuppel wurde künstlich beleuchtet.

Die erste Klasse verfügte darüber hinaus über ein kleines Privatspeisezimmer, das weltberühmte Ritz-Carlton-Restaurant und einen besonderen Grillroom, der sich im hinteren Teil des Promenadendecks befand und von drei seiten verglast war. Es gab sogar ein extra Kinderesszimmer.


Speisekarte des Ritz Carlton Restaurants
Sammlung Thorsten Totzke

Der Rauchsalon der ersten Klasse war ganz im englischen Tudor Stil gehalten. Schnitzwerk aus Eiche, ein Steinkamin, schwere Leder Clubsessel sowie Waffen und Geweihe bestimmten das Ambiente des Raumes.


Heuerschein von August Stahl
Sammlung Thorsten Totzke

Im Haupttreppenhaus gab es zahlreiche Geschäfte wie z.B ein Konfitürengeschaft, ein Blumenladen oder eine Buchhandlung.

Den Passagieren der ersten und zweiten Klasse stand natürlich auch eine Turnhalle zur Verfügung.


Imperator
Sammlung Thorsten Totzke

Selbst in der dritten Klasse gab es u.a einen gemütlich eingerichteten Rauchsalon.

Drei Funker sorgten für die Erreichbarkeit des Schiffes rund um die Uhr.


Imperator am Pier
Sammlung Thorsten Totzke

Die Titanic-Katastrophe brachte weitere Veränderungen. So wurde eine zweite innere Hülle hinzugefügt, die sich in den vorderen Abschnitten weit über die Wasserlinie erstreckte.


Doppelte Hülle
Sammlung Thorsten Totzke

Natürlich wurden auch mehr Rettungsboote an Bord gebracht. Am Ende befanden sich dreiundachtzig Rettungsboote an Bord, von denen zwei Barkassen erstmalig mit Benzinmotoren ausgestattet waren.

Für jede Person an Bord war nun ein Platz in einem Rettungsboot vorhanden.


Imperator 1913
Sammlung Thorsten Totzke

Kurz vor der Ablieferung des Schiffes wurde am Bug ein riesiger Bronzeadler angebracht. In seinen Klauen hält er eine Weltkugel und darauf stand das Motto Albert Ballins und der Hapag "Mein Feld ist die Welt!"

Der Imperator verlor Teile des Adlers bei einer stürmischen Überfahrt im März 1914.


Briefpapier der Imperator
Sammlung Thorsten Totzke

Am 22. April 1913 war es nun endlich soweit.

Der Imperator war fertiggstellt und konnte seine ersten Probefahrten unternehmen. Bereits auf der ersten Probefahrt gab es eine Panne.

Auf der Höhe der Altonaer Landungsbrücken lief das Schiff auf Grund und konnte erst 13 Stunden später freikommen.


Imperator auf Grund gelaufen
Sammlung Thorsten Totzke

Die offizielle Probefahrt fand im Beisein des Kaisers am 23. Mai statt.

Bei den Probefahrten zeigte sich das der Imperator gute Seeeigenschaften hatte, jedoch fiel auf, daß das Schiff topplastig war.

Daher wurden im Laufe der Zeit der Schornstein gekürzt, schwere Deck- und Wandvertäfelungen gegen leichtere ausgetauscht und Betonballast im Schiffsboden einbracht.


Programm für Bordspiele
Sammlung Thorsten Totzke

Am 11. Juni 1913 begann dann von Cuxhaven aus seine Jungfernfahrt.

1180 Mann Besatzung sorgten für das Wohl der Passagiere.


Diese beiden Herren scheinen Fans der Imperator zu sein
Sammlung Thorsten Totzke

Kommodore Hans Ruser hatte vier Kapitäne und sieben Offiziere zur Verfügung, um das Schiff zu führen.

Die Ankunft in New York am 18. Juni1913 war ein Triumph.


Erste Ankunft in New York
Sammlung Thorsten Totzke

Der neue Ozeanriese war auf Anhieb bei den Passagieren sehr beliebt und transportierte auf seiner vierten Fahrt mehr als 5000 Passagiere über den Atlantik.

Am 28. August 1913 gab es ein weiteres Mal einen Brand an Bord des Imperator.

Diesmal lag das Schiff am Hobokenpier in New York. Die Schiffsbesatzung evakuierte das Schiff in Windeseile und dann begann die New Yorker Feuerwehr das Feuer zu löschen.


Speisekarte
Sammlung Thorsten Totzke

Am Ende konnte die Crew zusammen mit der New Yorker Feuerwehr den Brand löschen.

Der II.Offizier der „Imperator“ fand jedoch bei dem Brand den Tod. Er erstickte bei den Löscharbeiten.


Imperator
Sammlung Thorsten Totzke

Der Imperator konnte schnell wieder betriebsbereit gemacht werden und mit nur geringer Verspätung die Heimreise antreten.

Am 08. Juli 1914 begann die letzte Fahrt für die Hapag. Nach Kriegsbeginn wurde das Schiff in Hamburg aufgelegt, dort lag es untätig am Pier.

Zeitweise wurde es aber auch zur Ausbildung von Heizern genutzt.


Passagierliste
Sammlung Thorsten Totzke

Nach Kriegsende wurde der Imperator zunächst den Amerikanern als Kriegsbeute zugesprochen.

Am 27. April 1919 verließ der Imperator zum letzten mal Hamburg.


Imperator verläßt Hamburg
Sammlung Thorsten Totzke

Nach seiner Ankunft in Brest wurde der Imperator am 05. Mai 1919 von der US-Navy übernommen.

Auf insgesamt sechs Reisen transportierte der Imperator nun über 12.000 Soldaten in ihre Heimat.


Imperator verläßt Hamburg
Sammlung Thorsten Totzke

Bis zum Februar 1920 blieb der Liner nun in New York. Dann wurde er Großbritannien als Kriegsbeute zugesprochen und vom britischen Shipping Controller an die Cunard Line verchartert.

Am 21. Februar 1920 lief der nunmehr RMS Imperator genannte Ozeanriese zum ersten Mal von Liverpool nach New York aus.


Passagierliste
Sammlung Thorsten Totzke

Am 16. April 1921 erfolgte die erste Ausfahrt aus Southampton.

Etwa ein Jahr später, im Februar 1921 entschloß sich die Cunard Line, das Schiff endgültig von der britischen Regierung zu kaufen.


Berengaria
Sammlung Thorsten Totzke

Von diesem Zeitpunkt an hieß es nicht mehr Imperator, sondern wurde in Berengaria umbenannt.

Die Berengaria wurde nun ein halbes Jahr lang bei der Werft Armstrong, Whitworth & Co. in Newcastle umgebaut. Dabei wurde der Luxusliner auf Ölfeuerung umgestellt und auch die Passagiereinrichtungen änderten sich zum Teil.


Berengaria im Trockendock
Sammlung Thorsten Totzke

Das Schiff wurde nun mit 52.226 BRT vermessen. Viele der Gesellschaftsräume blieben jedoch nahezu unverändert. Oftmals wurden lediglich deutschsprachige Schilder durch englische ersetzt.


Abstract of Log
Sammlung Thorsten Totzke

Nach ihrer Mordernisierung wurde die Berengaria zum Flaggschiff der Cunard Line und zu einem der beliebtesten Schiffe auf dem Nordatlantik.


Berengaria
Sammlung Thorsten Totzke

Die goldenen zwanziger Jahre waren die besten Jahre für die Berengaria.

Viele Prominente reisten in dieser Zeit mit dem Schiff. Persönlichkeiten wie die Schauspieler Will Rogers, Mary Pickford und Douglas Fairbanks , Industriemagnate wie Henry Ford oder J.P. Morgan überquerten den Atlantik auf der Berengaria.

Doch so langsam nagte auch der Zahn der Zeit an dem einst so ruhmvollen Schiff.


Lettercard
Sammlung Thorsten Totzke

Die Cunard Line fusionierte 1935 mit der White Star Line zur Cunard White Star Line.

Durch den Schiffszuwachs erschien es zweifelhaft, ob noch Bedarf für dieses betagte Schiff bestehen würde.

Doch die Berengaria blieb im Dienst.


Abstract of Log
Sammlung Thorsten Totzke

Selbst als die Queen Mary 1936 in Dienst gestellt wurde, wurde die Berengaria nicht aufgelegt.

Geplant war, sie erst dann auszumustern, wenn die Queen Elisabeth fertiggestellt ist.

Doch am 03. März 1938 legte ein Feuer die elektrischen Anlagen der Berengaria lahm. Eine Reparatur erschien nicht mehr sinnvoll.


Speisekarte
Sammlung Thorsten Totzke

Am 07. November 1938 erfolgte dann der Verkauf für 100.000 Pfund an die Firma Yarrow Shipbreacing Co. Ltd. in Yarrow.

Allein die Überführungsfahrt nach Yarrow kostete über 5.000 Pfund. Aus der Tynemündung mußten 70.000 Tonnen Flußschlamm ausgebaggert werden.

Danach begannen die Abbrucharbeiten und im Januar 1939 wurde die Inneneinrichtung der Berengaria in einer zehntägigen Auktion versteigert.


Berengaria
Sammlung Thorsten Totzke

Bei Beginn des Krieges wurden die Abwrackarbeiten für die Kriegsdauer eingestellt.

Der verbliebene Doppelboden wurde nach dem Krieg von Yarrow nach Rosyth in Schottland geschleppt, wo er dann 1946 endgültig verschrottet wurde.


Berengaria
Sammlung Thorsten Totzke

© 2018 Thorsten Totzke