France/Norway

von Thorsten Totzke


Mützenband der France
Sammlung Thorsten Totzke

Am 25. Juli 1956 horchte die Welt auf.

Eine Schiffskatastrophe auf dem Nordatlantik ließ dieses passieren.

Der schwedische Liner Stockholm war mit der riesigen italienischen Andrea Doria kollidiert.

Was in diesem Trubel unterging war, daß an diesem Tag auch in St. Nazaire auf der berühmten Werft Chantier de l'Atlantique etwas Großes passierte. Die Compagnie Generale Transatlantique, umgangssprachlich einfach nur Transat genannt, unterschrieb einen Bauauftrag für einen neuen Ozeanriesen.


Stapellauf der France
Sammlung Thorsten Totzke

Dieses Schiff sollte nicht das größte und nicht das schnellste werden, es wurde aber eines der elegantesten. Es verging noch mehr als ein Jahr bis am 7. Oktober 1957 schließlich das erste Blech für den neuen Liner gebogen wurde.

Das neue Schiff, welches den Namen seines Landes tragen sollte, wurde auf derselben Helling gebaut, auf der 30 Jahre zuvor bereits die legendäre Normandie gebaut wurde.


Stapellauf der France
Sammlung Thorsten Totzke

Nach 2 1/2 Jahren nahm der Schiffsgigant immer mehr Form an und sollte am 11. Mai 1960 seinem nassen Element übergeben werden.

Taufpaten für das Schiff sollten Staatspräsident Charles de Gaulle und seine Frau Yvonne sein.

Nachdem Yvonne de Gaulle das Schiff auf den Namen France getauft hatte und eine 6 Liter Champagnerflasche an seinem Bug zerschellen lassen hatte, gab der verantwortliche Mitarbeiter der Werft, Phillipe Guitard, das Kommando und das Schiff bewegte sich ins Wasser.


France nach dem Stapellauf
Sammlung Thorsten Totzke

Aus technischen Gründen musste der Staatspräsident seine Rede nach dem Stapellauf halten. Die Taufrede begann daher mit den Worten "Die France hat soeben das Meer geheiratet...".

Nun wurde das Schiff auch von Innen fertiggestellt. Für die Innenausstattung brauchte die Werft nochmals 1 1/2 Jahre.

Am 19. November 1961 wurden schließlich die ersten Probefahrten unternommen und am 11. Januar 1962 wurde die France offiziell in Dienst gestellt. Nur zwei Tage später brach die France zu einer Kreuzfahrt von Le Havre zu den Kanarischen Inseln auf.


France
Sammlung Thorsten Totzke

Die offizielle Jungfernreise fand allerdings erst am 03. Februar 1962 statt, als die France in Le Havre zu ihrer ersten Überfahrt nach New York startete. In New York wurde die France am 08. Februar 1962 begeistert gefeiert. Schlepper, Ausflugsdampfer, Fähren, Yachten und kleine Motorboote geleiteten sie in den Hafen, wo sie mit einem Salut aus dutzenden von Dampfpfeifen begrüßt wurde, während die Feuerlöschboote Wasserfontänen in den Himmel spritzten.


France Erstanlauf in Southampton
Sammlung Thorsten Totzke

ie France wurde von vielen Passagieren sehr geschätzt und im Dezember 1962 konnte sie ihren teuersten "Passagier" von Le Havre nach New York befördern.

Dieser "Passagier" war kein geringerer, als die weltberühmte "Mona Lisa". Das Gemälde wurde höher versichert, als das Schiff und alle Passagiere zusammen.

Aber auch für technische Überraschungen war die France gut. Auf einer Reise 1965 erlitt ein Passagier einen Herzanfall. Über Satellit wurde das EKG des Passagiers zeitgleich nach Frankreich und in die USA gesendet, so daß eine internationale Zusammenarbeit in einem zur Behandlung anstehenden Fall ermöglicht wurde.


Briefumschlag von der Jungfernfahrt
Sammlung Thorsten Totzke

Am 01. April 1969 startete die France zu einer "Kaiserlichen Kreuzfahrt" mit dem Thema Napoleon I. Es wurde auf Inseln halt gemacht, die im Laufe des Lebens von Napoleon I. eine Rolle gespielt haben. Die Kreuzfahrt war ein voller Erfolg, aber trotzdem zahlte der Staat in diesem Jahr einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 40 Millionen Franc.


Pin der France
Sammlung Thorsten Totzke

Im Januar 1972 begann die erste Weltreise der France, bei der 900 Passagiere 91 Tage lang an alle Punkte der Welt gebracht wurden. Auch diese Reise wurde ein voller Erfolg.

Ab 1973 wurde neben Le Havre und New York auch Bremerhaven in Deutschland angelaufen. Trotzdem sich dieser zusätzliche Halt lohnte, machte die France im Jahr 1973 ein Defizit von 73 Millionen Franc.


France legt in Bremerhaven an
Sammlung Thorsten Totzke

Die zweite Weltreise der France von Januar bis April 1974 ist nach der ersten Ölkrise kaum noch lohnend. Wieder werden 900 Passagiere 91 Tage lang um die Welt gefahren, aber Gewinne macht die Reederei nicht mehr damit. Bei einem Stopp in Hong Kong tauchen Gerüchte auf, daß die Transat mit Geschäftsleuten aus Rotchina verhandeln solle, die die France kaufen wollen.

Drei deutsche Reporter, welche die Weltreise mitmachten baten den Kapitän um ein Interview und wurden daraufhin mit einer formvollendeten Einladungskarte zum Cocktail in den Salon des Kapitäns geladen.


France in Bremerhaven
Sammlung Thorsten Totzke

Natürlich wollten die Reporter wissen, was an den Gerüchten dran sei, daß die Transat das Schiff nach der Weltreise verkaufen wollte. Der Kapitän konnte über die angeblichen Verhandlungen allerdings nichts sagen (Sie hatten auch nie stattgefunden und waren lediglich eine Zeitungsente).

Er amüsierte sich aber prächtig über einen Witz, den die Reporter beim Essen mit den Offizieren aufgeschnappt hatten. In Hongkong seien angeblich rotchinesische Spione an Bord gewesen, um heimlich auszumessen, wieviel der Fußboden, der auf europäische Körpergröße zugeschnittenen Kommandobrücke erhöht werden müsse, damit die Chinesen nach der Übernahme auch aus den Fenstern blicken könnten.


Speisekarte der France
Sammlung Thorsten Totzke

Nach der Weltreise nahm die France wieder ihren Liniendienst nach New York auf.

Am 08. Juli 1974 gab die Transat dann bekannt, daß das Schiff am 25. Oktober 1974 stillgelegt werden soll.

Anfang September 1974 verließ die France mit 1266 Passagieren an Bord New York auf ihrer 202. Reise.

Als sich das Schiff am 11. September 1974 dem Hafen von Le Havre näherte, stürmten ca. 50 Männer der Besatzung unter der Führung des 54 jährigen Chefstewards Marcel Raulin die Brücke und besetzen diese.


Brief aus der Streikzeit
Sammlung Thorsten Totzke

Sie zwingen Kapitän Christian Pettré mitten in der Hafeneinfahrt zu stoppen und den Anker fallen zu lassen. Auf dieser Art wollen sie verhindern, daß die France außer Dienst gestellt wird und sie ihre Arbeitsplätze verlieren.

Nach erfolgreicher Übernahme informierten die Meuterer ihre Hintermänner an Land mit dem Funkspruch "Die Apfelsinen sind geplatzt". Die Aktion war von langer Hand geplant worden und schon beim Stopp in Southampton kamen Vertreter der beiden großen Gewerkschaften an Bord und gaben das OK der Gewerkschaften für die Aktion.


France in New Yorck
Sammlung Thorsten Totzke

Die Passagiere sahen die zusätzliche Nacht an Bord gelassen, was auch daran lag, daß die Crew Getränke ausschenkte, aber nicht mehr dafür kassierte.

Am nächsten Morgen ließ die Transat die Passagiere mit Tenderschiffen an Land bringen.


Kofferaufkleber der France
Sammlung Thorsten Totzke

Insgesamt sind nun noch 989 Besatzungsmitglieder an Bord. Es wird ein Bordkomitee gegründet, dessen Leitung Marcel Raulin übernimmt.

Nach längerem Zögern erlaubt das Bordkomitee Journalisten das Schiff zu betreten und Raulin gib eine improvisierte Pressekonferenz. Er berichtet, daß er seit über 20 Jahren im Dienst der Transat sei und früher im Krieg an Kommandounternehmen gegen die Deutschen beteiligt war.


France in Southampton
Sammlung Thorsten Totzke

Er berichtet auch, daß die Besatzung bei der Stürmung der Brücke unbewaffnet war. Lediglich eine Streudose mit Pfeffer habe er dabei gehabt.

Er erklärte auch, daß es keine Meuterei sei, sondern ein Streik.

Vom 16.09.1974 bis 17.09.1974 treten die französischen Seeleute in einen zweitägigen Sympathiestreik für die France.

Der Streik weitet sich danach aus und es gibt viele Sympathiebewegungen in ganz Frankreich. In Paris wird am Eiffelturm während des Streiks ein riesiges Transparent angebracht.


Speisesaal erste Klasse
Sammlung Thorsten Totzke

Leider reagiert die Regierung nicht so, wie es sich die Streikenden dachten.

Als am 23.09.1974 Sturm aufkommt, muß die France ihre Position verlassen und vor einer kleinen Insel vor Anker gehen. Nun, da das Schiff die Zufahrtswege zum Hafen nicht mehr blockiert, gerät die Sache langsam in Vergessenheit und am 08. Oktober 1974 akzeptieren die 496 zu diesem Zeitpunkt noch an Bord befindlichen Besatzungsmitglieder Bedingungen der Regierung und am Morgen des 09. Oktober liegt die France an ihrem üblichen Kai, den Quai Johannes-Couvert, in Le Havre an.


Kapelle
Sammlung Thorsten Totzke

Ende 1974 werden dann 1190 Kündigungsschreiben für Besatzungsmitglieder aus dem Servicebereich verschickt und am 19. Dezember 1974 wird die France zu einem namenlosen Pier im Hafen von Le Havre geschleppt. Später bekommt dieser Kai den Namen "Kai des Vergessens".


Theater
Sammlung Thorsten Totzke

Dort liegt das Schiff nun tatenlos rum. Einige Mechaniker, Sicherheitsleute und der zweite Kapitän bleiben an Bord und halten das Schiff in Stand.

Der französische Chansonier Michel Sardou schrieb 1975 ein Lied über die France von dem innerhalb von 10 Tagen über 500.000 Platten verkauft wurden. In diesem Lied drückt er aus, was viele seiner Landsmänner in diesen Tagen dachten. Frankreich hat sein Prestigeobjekt fallen lassen.

Michel Sardou
Le France


Paroles: Michel Sardou, Pierre Delanoë.
Musique: Jacques Revaux

Michel Sardou
Le France


Text: Michel Sardou, Pierre Delanoë.
Musik: Jacques Revaux

Quand je pense à la vieille anglaise
Qu'on appelait le "Queen Mary",
Echouée si loin de ses falaises
Sur un quai de Californie,

Quand je pense à la vieille anglaise,
J'envie les épaves englouties,
Longs courriers qui cherchaient un rêve
Et n'ont pas revu leur pays.

Ne m'appelez plus jamais "France".
La France elle m'a laissé tomber.
Ne m'appelez plus jamais "France".
C'est ma dernière volonté.

J'étais un bateau gigantesque
Capable de croiser mille ans.
J'étais un géant, j'étais presque
Presqu'aussi fort que l'océan.

J'étais un bateau gigantesque.
J'emportais des milliers d'amants.
J'étais la France. Qu'est-ce qu'il en reste ?
Un corps-mort pour des cormorans.

Ne m'appelez plus jamais "France ".
La France elle m'a laissé tomber.
Ne m'appelez plus jamais "France".
C'est ma dernière volonté.

Quand je pense à la vieille anglaise
Qu'on appelait le "Queen Mary",
Je ne voudrais pas finir comme elle
Sur un quai de Californie.

Que le plus grand navire de guerre
Ait le courage de me couler,
Le cul tourné à Saint-Nazaire,
Pays breton où je suis né.

Ne m'appelez plus jamais "France".
La France elle m'a laissé tomber.
Ne m'appelez plus jamais "France".
C'est ma dernière volonté.
Wenn ich an die alte Engländerin denke,
die man "Queen Mary" nennt,
Gescheitert, weit weg von ihrem Felsen
An einem Kai in Kalifornien.

Wenn ich an die alte Engländerin denke,
beneide ich die versunkenen Wracks,
Lange Botschaften, die einen Traum suchen
und die das Land nicht hören will.

Nenne mich nie mehr "France".
Frankreich ließ mich fallen.
Nenne mich mehr nie "France".
Es ist mein letzter Wille.

Ich war ein gigantisches Schiff
Fähig, tausend Jahre zu kreuzen.
Ich war ein Riese, ich war fast fast
auch wie der Ozean.

Ich war ein gigantisches Schiff.
Ich nahm Tausende von Liebenden mit.
Ich war Frankreich, doch was bleibt,
ist ein Kadaver für die Kormorane.

Nenne mich nie mehr "France".
Frankreich ließ mich fallen.
Nenne mich nie mehr "France".
Es ist mein letzter Wille.

Wenn ich an die alte Engländerin denke,
die man "Queen Mary" nennt,
möchte Ich nicht so wie sie Enden
An einem Kai in Kalifornien.

Dass das größte Kriegsschiff
den Mut hat mich zu versenken,
Der nach Saint-Nazaire gedrehte Arsch
Bretonisches Land, wo ich geboren bin.

Nenne mich nie mehr "France".
Frankreich ließ mich fallen.
Nenne mich nie mehr "France".
Es ist mein letzter Wille.


 

Während die France nun so tatenlos am Kai des Vergessens liegt, werden die verrücktesten Ideen für ihre Zukunft geboren und diskutiert, so auch die Idee, das Schiff wie die Queen Mary in ein Hotel zu verwandeln oder in ein Casino.

Es wurde sogar diskutiert, das Schiff in ein schwimmendes Altersheim umzubauen.

Von diesen Ideen wurde Gott sei Dank keine verwirklicht.


France
Sammlung Thorsten Totzke

Am 21. August 1977 berichtete dann eine Zeitung, daß ein saudischer Scheich die France gekauft habe. Das stimmte noch nicht ganz, denn der Scheich war zwar zu diesem Zeitpunkt am Verhandeln über den Kauf aber gekauft hat er das Schiff dann erst im Oktober.

Genauer gesagt kaufte das Schiff im Oktober 1977 die französische Gesellschaft Technique d'Avant Gard (T.A.G.), die allerdings dem saudi-arabischen Scheich Akram Ojjeh gehört.

Der Kaufpreis betrug 80 Millionen Franc. Nachdem Scheich Akram Ojjeh das Schiff erworben hatte, reiste er ein Jahr lang um die Welt und versuchte andere Leute für das Projekt zu gewinnen. Er wollte aus der France ein schwimmendes Casino machen. Zu seinem Unglück gelang es ihm nicht, Partner für sein Projekt zu gewinnen, so daß es erst mal wieder still wurde um die France.

Am 25. Juni 1979 kaufe dann der norwegische Reeder Knut Kloster das Schiff für seine Norwegian Carribean Line (heute Norwegian Cruise Line) für nur noch 77 Millionen Franc von Scheich Akram Ojjeh.


France
Sammlung Thorsten Totzke

Kloster hatte bemerkt, daß die France nach einigen Umbauten ein ideales Kreuzfahrtschiff wäre und bei einer Besichtigung des Schiffes am Kai des Vergessens hatte er sich mit seiner Frau laut eigener Aussage in das Schiff "verliebt".

Die France wurde daraufhin umgetauft auf den Namen Norway und im Register für Kloster R/A eingetragen. Die Umbauarbeiten, die nun getan werden mussten, waren bei den Werften sehr begehrt. Es bewarben sich deutsche und französische Werften. Den Zuschlag bekam die deutsche Lloyd Werft in Bremerhaven.

Diese Entscheidung führte in Frankreich zu Demonstrationen.

Am 14. August 1979 soll die France dann den Kai des Vergessens verlassen. 50 Werftmitarbeiter blockierten die Schleuse und hindern die Norway auf diese Art am Auslaufen. Vier Tage später, am Samstag den 18. August 1979, soll die Norway dann endgültig Frankreich verlassen.


an Deck
Sammlung Thorsten Totzke

Wieder kommt es zu Demonstrationen und einige Demonstranten besetzten die Poller, so daß Kapitän E. Kerrignard den Sicherheitsdienst anfordern musste, der die Demonstranten vertreibt.

Knut Klosters hatte den Kapitän gebeten beim Ablegen keine Nationalflagge zu setzten, um die Demonstranten nicht noch mehr zu provozieren und mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Der Kapitän bat ihn trotzdem darum, die französische Nationalflagge setzen zu dürfen. Knut Kloster genehmigte diese Idee und bat darum, daß die französische Nationalflagge am höchsten Mast zu hissen sei.

Erst danach wurde die norwegische Flagge gehisst. So lief die Norway dann mit der französischen Nationalflagge im Top aus.

Nach Vier Tagen lief die Norway am 22. August 1979 in Bremerhaven ein, wo sie bei der Lloyd Werft zum Einsatz als Kreuzfahrtschiff in der Karibik umgebaut wurde.

Die Turbinenanlage wurde reduziert, 2 Schrauben wurden entfernt, es wurde mehr offene Deckfläche geschaffen genauso wie zusätzliche Luxuskabinen.


Schiffspost von der Norway
Sammlung Thorsten Totzke

Zwei neue Beiboote für jeweils 400 Personen werden auf dem Bug montiert, alle Kabinen bekommen einen Fernseher, eine Diskothek wird eingebaut, die durch ein Fenster mit dem Schwimmbad verbunden ist und vieles mehr.

Am 14. April 1980 traf das Schiff dann gleich noch einmal bei der Lloydwerft ein, wo unter Anderem die Turbogeneratoren gegen Dieselmaschinen getauscht werden.

Bis zum 24. April sind die meisten dieser Arbeiten dann erledigt und das Schiff nimmt am 01. Mai 1980 Kurs auf Oslo, wo es der norwegischen Bevölkerung vorgestellt werden soll. Von Norwegen ging es nach Southampton und von dort nach New York und schließlich Miami.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

In Miami traf das Schiff am 16. Mai 1980 ein und hier verließen die letzen 200 Mitarbeiter der Lloydwerft, die auf der Fahrt die letzten Arbeiten erledigt hatten, das Schiff. Insgesamt wurden in den Umbau ca. 1 Millionen Arbeitsstunden gesteckt für die Knut Klosters ca. 100 Millionen DM bezahlen musste.

Der Reeder zahlte eine Prämie in Höhe von 500000 DM an die Werft, von denen jeder der 1200 Werftarbeiter 350 DM bekam als Bonus für die Termintreue trotz vieler Sonderwünsche.

Die Norway, nun in ihrem blau/weißen Anstrich, bot nun 7 Tage Reisen durch die Karibik für ca. 1100-3000 DM an. Jeden Sonnabend stach sie von Miami aus zu einer einwöchigen Kreuzfahrt in See.

Am 19. August 1980 passiert dann eine kleine Katastrophe: Blackout auf der Norway. Das Schiff treibt mehrere Stunden manövrierunfähig ohne Strom und Maschinen in der Karibik. Es dauert viele Stunden, bis das Schiff wieder betriebsklar war und die Reise fortsetzen konnte.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Im Oktober wurde der Blackout von einem Spezialistenteam aus Mitarbeitern der Reederei, der Lloydwerft, der AG Weser und der Siemens AG untersucht. Das Team kam zu dem Schluss, daß die von Siemens gelieferte Technik nicht an dem Ausfall beteiligt war. Der Blackout trat durch äußere Einflüsse ein, die bewirkten, daß die Turbinen der Generatoren nicht mehr genügend Dampf für ihren Betrieb hatten.

Der nachfolgende Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung war eine logische Folge der fehlenden Speisung durch die Turbogeneratoren.

Im Dezember 1981 brach an Bord der Norway im Hafen von Miami ein Brand aus. Die Passagiere mussten von Bord gehen. Der Brand war schnell gelöscht und verursachte keine größeren Schäden.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Am 02. September 1984 lief die Norway dann in den Hamburger Hafen ein. Das Schiff wurde bei der Traditionswerft von Blohm & Voss umgebaut, wobei unter Anderem alle dampfgetriebenen Hilfsmaschinen durch Krupp-MaK-Diesel ersetzt wurden.

Gleichzeitig wird das Schiff auf die Norwegian Caribbean Lines A/S übertragen. Da von oben nicht an die Maschinen ranzukommen war, musste man sich bei der Werft etwas einfallen lassen.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Das Schiff wurde daher am Rumpf seitlich aufgeschnitten und die Motoren wurden per Kran zwischen Schiff und Dockwand auf ein Schlittensystem gestellt und mit diesem dann ins Innere des Schiffs gebracht. Da der Kranführer nichts sehen konnte, musste er sich voll und ganz auf seine Kollegen verlassen und die Motoren quasi blind zwischen Schiff und Dockwand hinablassen.

Aber auch dieser Umbau gelang und bereits am 22. September konnte die Norway die Werft wieder verlassen.

1986 wurde die Norway dann für Kloster Cruise Ltd., Oslo registriert und seit 1990 ist Nassau auf den Bahamas der offizielle Heimathafen des Schiffes.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Am 03. September 1990 traf die Norway erneut bei der Lloydwerft in Bremerhaven ein. Der Umbau war sehr auffällig weil über dem Bootsdeck zwei komplett neue Decks aufgesetzt wurden.

Dadurch wurde die Passagierkapazität auf 2560 Personen erhöht. Bereits am 02. Oktober konnte das Schiff wieder abgeliefert werden und seinen Dienst antreten.

Am 13. August 1998 legte die Norway während einer Kreuzfahrt für einen Tag in Hamburg an, um Proviant zu bunkern.

Es war für alle Schiffsfans ein erhabener Anblick einen der letzten Ozeanliner im Hamburger Hafen sehen zu können. Beim Ablegen zeigte Hamburg sich natürlich nicht von seiner besten Seite. Es regnete in Strömen, als die Norway von Schleppern aus dem Hafen manövriert wurde.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Am 29. Mai 2001 mussten 2000 Passagiere einer Kreuzfahrt das Schiff verlassen, nachdem die US Küstenwache bei einer Überraschungsinspektion schwere Mängel in der Berieselungsanlage festgestellt hatte.

Über 100 notdürftig geflickte Lecks wurden entdeckt und daher der Norway aus Sicherheitsgründen das Auslaufen untersagt.

Am 28. Oktober 2001 traf die Norway dann zur Runderneuerung wieder einmal bei der Lloydwerft in Bremerhaven ein, wo zeitgleich auch die Queen Elizabeth 2 renoviert wurde.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

"Explosion auf der Norway" lautete die Meldung die am 25. Mai 2003 über die Newsticker lief. Die Norway war um ca. 5 Uhr Ortszeit in den Hafen von Miami eingelaufen und 2 Stunden später explodierte im Maschinenraum ein Kessel.

8 Besatzungsmitglieder kamen bei dieser Katastrophe ums Leben und 17 weitere wurden verletzt. Das teilte die amerikanische Küstenwache mit. Von den Passagieren wurde niemand verletzt.


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

Am 27. Juni 2003 wurde der schwer beschädigte Luxusliner von der Smit Rotterdam in Schlepp genommen und nach Bremerhaven geschleppt, wo das Schiff am 23.09.2003 eintraf. Die Lloydwerft hatte ein Reparaturangebot abgegeben. Ursprünglich gab die Norwegian Cruise Line bekannt, im Oktober 2003 den Fahrplan wieder aufnehmen zu wollen.

Aber am 23. Juli 2003 wurden erst einmal alle Kreuzfahrten auf unbestimmte Zeit abgesagt, da die Beschaffung eines neuen Kessels sich schwierig gestaltet. Zwischen 7 und 12 Monate sollte die Beschaffung des Kessels dauern.

Am 23.05.2005 verliess die Norway, im Schlepp, Bremerhaven. Offiziell war Kelang in Malaysia das Ziel der Reise. In Kelang wurde der Liner dann erstmal aufgelegt.


Mützenband der France
Sammlung Thorsten Totzke

Im Februar 2006 wurde das Schiff dann in Blue Lady umgetauft in der Hoffnung nicht soviel Wirbel zu erzeugen wenn ein Käufer gefunden wird.

Im April 2006 wurde das Schiff dann an Indische Abwracker verkauft. Am 15.05.2006 wurde der Blue Lady von der Umweltbehörde verboten in Indische Hoheitsgewässer zu fahren.

Am 05.06.2006 wurde dann das Ankern in Indischen Gewässern erlaubt.

Nun sollte das Schiff untersucht werden um die Menge Asbest an Bord festzustellen.

Danach sollte dann entschieden werden ob das Schiff in Alang abgewrackt werden darf.

Am 15.08.2006 wurde die Blue Lady dann bei Alang auf Grund gesetzt.


France
Sammlung Thorsten Totzke

Am 17.08.2006 stellte das Indische Gericht fest das es keine Genehmigung zum Abwracken der Blue Lady gibt. Lediglich eine Erlaubnis zum Ankern in indischen Gewässern würde vorliegen.

Damit war das auf Grund setzen vom 15.08.2006 illegal.

Das indische Gericht schaffte es aber bis heute nicht zu einem endgültigen Ergebniss zu kommen.

Immer wieder wurden Sitzungen angesetzt und mit zweifelhaften Ergebnissen beendet um dann den nächsten Termin anzusetzen.

Anfang Dezember 2007 wurden die Rettungsboote von der Blue Lady entfernt und die Bugspitze wurde abgetrennt. Dies ist normalerweise der Anfang des Abwrackens...


Norway in Bremerhaven
© Thorsten Totzke

© 2018 Thorsten Totzke