Bismarck

von Thorsten Totzke


Majestic
Sammlung Thorsten Totzke

Es sollte der Triumph der deutschen Handelsflotte werden.

Aber auch dem dritten Schiff der Imperator-Klasse der Hapag war kein Glück mit in die Wiege gelegt worden.

Die Namenssuche war schon ein schwieriger Akt. Erst wollte man das Schiff "Hansa" nennen, dann war man bei "Hapag" und wechselte dann zu "Monarch", bevor man aufgrund des Wunsches von Albert Ballin dann den Namen "Bismarck" wählte.


Stapellauf der Bismarck
Sammlung Thorsten Totzke

Ebenso wie ihr Schwesterschiff, die Vaterland, wurde die Bismarck auf der Hamburger Traditionswerft von Blohm & Voss gebaut.

Zum Stapellauf hatte sich seine Majestät Kaiser Wilhelm II persönlich angesagt. Der Kaiser war auf dem Weg zur Kieler Woche und traf am 20.06.1914 gegen 13:30 Uhr im Auto in Hamburg auf der Veddel ein.

Dort gab es bei den Auswandererhallen ein Spalier von jubelnden Kindern zu seiner Begrüßung. Der Kaiser fuhr nun zu den Landungsbrücken, die man in eine Art Südsee-Szenario verwandelt hatte. Das Portal war mit grünen Girlanden geschmückt, künstliche Hortensien und Geranien Beete blühten und überall standen Fächerpalmen in weißen mit Gold abgesetzten Kübeln. Die Brücke war komplett mit rotem Stoff bespannt.


Stapellauf der Bismarck
Sammlung Thorsten Totzke

An der Landungsbrücke lag die Kaiseryacht "Hohenzollern". Als der Kaiser ankam schmetterten im seine Matrosen auf der Hohenzollern ein dreifaches Hurra entgegen.

Damen des roten Kreuzes begrüßten den Kaiser und baten ihn um eine Spende. Der Kaiser machte ein verlegenes Gesicht, er hatte keinen Pfennig dabei. Der Oberhof und Hausmarschall Freiherr von Reischach und der Generaladjutant von Plessen reichtem den Kaiser eiligst einige Geldstücke ,so dass die Damen ihm zum Dank für seine Spende eine Nelke an den Überrock heften konnten.


Stapellauf der Bismarck
Sammlung Thorsten Totzke

Der Kaiser trug an diesem Tag die Uniform der Hannoverschen Königs-Ulanen. Hamburgs Bürgermeister Dr. Predöhl, Dr. v. Melle und Dr. Schröder, zwei Senatoren, der Präsident der Bürgerschaft und der preußische gesandte in Hamburg v. Bülow, sowie Legationsrat v. Bonin hatten sich zur Begrüßung eingefunden.

Anschließend ging auf der Hohenzollern die Kaiserstandarte hoch.

Der Kaiser und sein Gefolge gingen an Bord und verschwanden im inneren der Yacht um sich dort umzuziehen.

Gegen 14.30 Uhr bestieg der Kaiser, nun in Marine Uniform mit den Rangabzeichen eines Großadmirals und in Begleitung von Albert Ballin, die Staatsyacht HAMBURG der Hansestadt um zu Blohm & Voss überzusetzen.


Bismarck vor Cuxhaven
Sammlung Thorsten Totzke

Die Vertreter von Senat, Bürgerschaft, Diplomatie und Generalität fuhren mit der WILLKOMMEN hinterher. Auf der Werft wurden der Kaiser und Ballin von Hermann Blohm und Ernst Voss zusammen mit den Direktoren Frahm und Rosenstiel und dem ältesten Sohn von Hermann Blohm, Dipl.-Ing Rudolf Blohm begrüßt.

Die ganze Gruppe ging in ein Empfangszelt, welches komplett in Lila ausgekleidet und mit einem Purpurfarbenen Teppich ausgelegt war.

Von dort ging es dann zur Taufkanzel von der aus Hanna von Bismarck, die 21 Jahre alte Enkelin des16 Jahre zuvor verstorbenen Altreichskanzlers das Schiff taufen sollte.


Majestic
Sammlung Thorsten Totzke

Neben ihr stand in Oxford-Schuluniform der junge Fürst Otto von Bismarck. Hamburgs Bürgermeister Dr. Predöhl hielt eine Reede die er mit den Worten begann: "So trage dieses Riesenschiff, getauft nach seiner Ehrenwerten Majestät Bestimmung durch die Frauenhand der Enkelin den Namen des Mannes über die Meere, dessen steinernes Riesenbild auf uns herniederschaut-"

Jubelnde Hochrufe ertönten und die Kapelle spielte die damalige Hymne "Heil Dir im Siegerkranz".

Die Gräfin trat vor und sagte "Auf Befehl seiner Majestät taufe ich dich BISMARCK" und ließ die Flasche los. Die Flasche erreichte ihr Ziel aber nicht. Sie polterte gegen den Steil aufragenden Bug ohne zu zerschellen. Geistesgegenwärtig rettete der Kaiser die Situation. Er ließ die Flasche zurückholen und verbeugte sich vor der unglücklichen Taufpatin und sagte lachend "Mit Sekt wissen wir Männer wohl besser umzugehen, Gräfin" und schleuderte die Flasche gegen die Bordwand, die nun auch endlich zerschellte.


Restaurant
Sammlung Thorsten Totzke

Der Kaiser fuhr von Hamburg weiter nach Kiel.

Aber nur 8 Tage später fielen in Sarajevo die Schüsse auf den Österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, die zum Ausbruch des ersten Weltkrieges führten.

Im August wurden die Arbeiten an dem Schiff für die Dauer des Krieges eingestellt.

Nachdem die Deutschen den Krieg verloren hatten, mussten Sie das Schiff fertig stellen und als Kriegsreparation an England abliefern.


Speisesaal
Sammlung Thorsten Totzke

1200 Mann arbeiteten an der Fertigstellung, aber Materialmangel, besonders auf dem Stahlsektor zögerten die Fertigstellung immer mehr heraus.

Am 05.10.1920 bricht auch noch ein Brand an Bord aus, der die Fertigstellung weiter verzögert.

Im Februar verkauft die Britische Regierung die Bismarck und die Imperator im Paket an die Cunard und die White Star Line.


Schwimmbad
Sammlung Thorsten Totzke

Beide Reedereien teilten sich die Gewinne aus beiden Schiffen über einen Zeitraum von 10 Jahren.

Am 28.03.1922 ist dann der große Tag. Die Bismarck geht auf ihre Probefahrt.

Sie läuft mit Schwarz-Weiß-Roter Flagge, allerdings mit Schwarz-Rot-Goldener Gösch aus.

Während der Probefahrt wurde sie von Kommodore Hans Ruser kommandiert, der bereits die Jungfernfahrt der Imperator und der Vaterland kommandiert hat.

Nach der erfolgreichen Probefahrt wurde das Schiff in Cuxhaven an die Engländer übergeben und umbenannt in Majestic.

Das Kommando übernahm nun Bertram Hayes für die White Star Line.


Pressemitteilung der White Star Line
Sammlung Thorsten Totzke

Die Jungfernreise des neuen Riesen begann am 10. Mai 1922 in Southampton und endete nach einer Überfahrt von 5 Tagen, 14 Stunden und 45 Minuten in New York.

Dort besichtigten am 19.05.1922 mehr als 10.000 Menschen den Giganten. Die Besucher bekamen ein Illustriertes Heft als Souvenir überreicht.

Am 20.08.1922 besichtigen König George und Queen Mary die Majestic. Sie wurden von Harold A Sanderson, dem Leiter der International Mercantile Marine Company und Kapitän Bertram Hayes begrüßt.

Der König und die Königin schauten sich das Schiff an und waren begeistert von dem Schwimmbad auf dem F-Deck. Dort zeigte der Schwimmlehrer der Majestic, Winnie Elliott, ihnen einige Tricks inklusive einer Imitation einer Schildkröte beim Sonnenbaden. Dem König gefiel die Schildkröte besonders.

Danach besichtigte man auf Wunsch der Königin noch die dritte Klasseunterkünfte und eine Rettungsbootübung, bevor man sich zum Essen an Bord zurückzog.


Souvenirheft für Besucher
Sammlung Thorsten Totzke

Für den November war ein Dockmanöver geplant. Dies warf erst einmal ein paar Probleme auf. Zu Blohm & Voss wollte man nicht ins Dock und das neue Schwimmdock in Southampton würde erst rund 1 Jahr später fertig werden.

Also blieb nur ein einziges Dock ,das groß genug war um die Majestic aufzunehmen. Am 16.11.1922 wurde die Majestic also im Boston eingedockt.

Dort werden normale Wartungsarbeiten durchgeführt und es wurden vier neue Propeller montiert, die dem Schiff eine etwas höhere Geschwindigkeit verleihen und die auf so einem großen Schiff unvermeidlichen Vibrationen noch etwas reduzieren sollten.

Das ganze Programm schaffte man in nur 5 Tagen und bereits am 21.11.1922 schwamm die Majestic wieder.


Majestic im Trockendock in Boston
Sammlung Thorsten Totzke

Nur einen Monat später lagen am 22.12.1922 die Majestic und die Berengaria zusammen im Hafen von Southampton. Es herrscht grausiges Wetter. Ein Hurrikan tobte sich über der Stadt aus und führte dazu, dass die beiden Schwesterschiffe zusammenstießen.

Dabei riss der 15 Tonnen schwere Anker der Majestic der Berengaria auf 20 Fuß der Reling weg. Mehr schaden passierte Gott sei Dank nicht.


Abstract of Log von der 3ten Fahrt
Sammlung Thorsten Totzke

Im Januar 1923 schaffte man es das Schiff während der kurzen Liegezeit in New York neu zu streichen und bei der Abfahrt am 06.01.1923 erstrahlte das Schiff in neuen, frischen Farben.

Die Majestic versah ihren Dienst nun fast wie nach Fahrplan. Im Mai 1923 verzögerte sich die Abfahrt aus New York einmal wegen extremen Niedrigwasser um 3 ½ Stunden, im Juni reiste der berühmte Autor Joseph Conrad mit der Majestic und bei der nächsten Abfahrt Ende Juni hat die Majestic 852 Passagiere an Bord als Sie in New York ablegt.

Das ist neuer Rekord. Bisher lag die höchste Zahl der Passagiere, die von einem Schiff von Amerika in die Alte Welt transportiert wurden bei 843 aus dem Jahr 1914.


Fahrschein
Sammlung Thorsten Totzke

Während einer Überfahrt im Juli 1923 operierte der Schiffsarzt Dr. J.C.H. Beaumont ein Mädchen und entfernte den Blinddarm. Hierfür wurde nicht gestoppt oder die Geschwindigkeit verlangsamt.

Im November 1923 verlässt die Majestic New York nach nur 26 Stunden. In dieser Zeit wurden 7500t Öl, 5000t frisches Wasser und 500t Ladung an Bord genommen.

Einige Tausend Gegenstände wurden zum Waschen an Land gegeben und zurück an Bord gebracht. Dazu 6500 Postsäcke verladen, 428 Erste, 133 Zweite und 170 Dritte Klasse Passagiere an Bord begrüßt.


Das Restaurant
Sammlung Thorsten Totzke

Auf einer Überfahrt im Juli 1924 sprang der Assistenz Koch William H. Stanton aus unbekannten Gründen über Bord. Er wurde von der Schiffsschraube getroffen und die Leiche konnte nicht geborgen werden

Am 23.12.1924 ging dann Captain Bertram Fox Hayes in Rente. Sein Nachfolger wurde George R. Metcalfe.

Der Januar 1925 begann mit einer weiteren regulären Dockung der Majestic. Mittlerweile war das Schwimmdock in Southampton fertig gestellt. Hier blieb das Schiff rund 3 Monate und wurde komplett renoviert.

Am 28.04.1925 erreichte das Schiff dann auf seiner ersten Überfahrt nach der Renovierung wieder New York. Die Majestic war meistens eines der letzten Schiffe, die so kurz vor Weihnachten in New York ankamen, damit die Weihnachtspost grade noch ausgeliefert werden konnte.

1925 waren es noch rund 9000 Säcke mit Post als das Schiff am 22.12. in New York eintraf. Während es nur 2 Jahre später bereits 17661 Säcke mit Weihnachtspost waren.


Die Kapelle
Sammlung Thorsten Totzke

Im August 1926 reiste das Ehepaar, die weltberühmten Filmstars Douglas Fairbanks und Mary Pickford, mit der Majestic. Die beiden waren das Glamourpaar dieser Zeit. Zusammen mit Charlie Chaplin hatten Sie 1919 die "United Artist" gegründet und waren nun auf der Rückreise von Europa.

Beide hatten gerade wieder aktuelle Filme in den Kinos laufen. Douglas hatte "Der schwarze Pirat" laufen und die Dreharbeiten für "Der Gaucho" beendet. Mary, die man überall als "Amerikas Sweetheart" kannte, hatte "Sparrows" in den Kinos und "My best Girl" gerade abgedreht.

Einen Tag vor Ankunft in New York ereignete sich noch eine Tragödie an Bord. Ein Steward beging Selbstmord.


Turnhalle
Sammlung Thorsten Totzke

Der April 1927 brachte dann eine Überfahrt, die mit einer Person weniger begonnen wurde, als Sie beendet wurde. Während der Überfahrt wurde an Bord ein Mädchen geboren.

Die Eltern gaben der kleinen den Mittelnamen "Majestica".

Bei einer Überfahrt im September 1928 erreichte die Majestic New York mit 2593 Passagieren. Dies ist die größte Zahl an Passagieren seit dem Ende des Krieges.

Einen Monat später verließ dann Captain Metcalfe das Schiff und ging in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde William Marshall.


Im Speisesaal
Sammlung Thorsten Totzke

Im Januar 1929 erreicht die Majestic den New Yorker Hafen mit 24 Stunden Verspätung, nachdem sie in stürmischer See von einer Monsterwelle getroffen wurde. Dabei wurde ein Koch getötet. Er erlitt einen Schädelbruch. 5 Besatzungsmitglieder, darunter der erste Offizier wurden verletzt.

Danach ging es in Southampton mal wieder ins Trockendock. Frisch renoviert nahm die Majestic am 10.04.1929 ihren Dienst wieder auf.


Rauchsalon
Sammlung Thorsten Totzke

Am 28.01.1930 wurde Captain William Marshall zum Commodore der White Star Line ernannt. Kurz darauf erkrankte er leider und verstarb am 28.05.1930 in Southampton.

Sein Nachfolger wurde Eustace R. White der wiederum bereits am 15.11.1931 in Rente ging.

Von nun an hatte Edgar Lukeman Trent das Kommando.

Nun versah das Schiff ohne große Vorkommnisse seinen Dienst.

Im März 1932 reiste Winston Churchill mit seiner Tochter Diana mit dem Schiff von New York nach Southampton.

Captain Trent wurde am 05.08.1932 zum Commodore ernannt und war der letzte Commodore der White Star Line.


Schwimmbad
Sammlung Thorsten Totzke

Am 16.12.1932 wurde die Majestic auf dem Atlantik erneut von einer Monsterwelle getroffen. Dabei kam ein Matrose ums Leben.

Nicht ganz zwei Jahre später, am 10.10.1934 wurde das Schiff ein weiteres Mal von einer Monsterwelle erwischt. Auf der Überfahrt wurde die Brücke von einer riesigen Welle getroffen. Dabei wurden 4 Scheiben auf der Brücke zerstört und Captain Trent und sein zweiter Offizier Hurt verletzt.

Die Majestic erreichte den Hafen unter dem Kommando von Captain Frederick J. Burd, der als Assistent Commander an Bord war.


Lettercard
Sammlung Thorsten Totzke

Captain Trent musste mit Schnittverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo er 5 Wochen blieb. Danach reiste er mit der Olympic zurück nach England und ist nie wieder zur See gefahren.

Das Kommando über die Majestic übernahm nun Robert B. Irving.

Das Schiff schien solche Monsterwellen magisch anzuziehen. Bei seiner 200sten Überfahrt erreichte Sie am 08.09.1935 New York. Auf der Überfahrt wurde Sie erneut von einer gewaltigen Welle getroffen, die bis zur Höhe der Schornsteine ging. Dabei gingen einige Bullaugen zu Bruch.

Ansonsten ist dieses Mal glücklicherweise niemand zu schaden gekommen.


Im Trockendock in Southampton
Sammlung Thorsten Totzke

Im November 1935 gibt die White Star Line bekannt das die Majestic im Februar de kommenden Jahres Außerdienst gestellt wird.

Am 12.01.1936 übernahm Captain George Gibbons für eine Überfahrt die Majestic und verlies dann das Schiff, um als zweiter Captain unter Edgar T. Britten die Queen Mary zu kommandieren.

Am 19.02.1936 erreichte das Schiff auf seiner 207 Rundreise zum letzten mal New York.


Konzertprogramm
Sammlung Thorsten Totzke

Danach wurde die Majestic in Southampton aufgelegt.

Im Mai fand sich dann ein Käufer und die White Star Line verkaufte das Schiff am 15.05.1936 zum abwracken an T.W. Ward für 115000 Pfund.

Hier fand sich dann doch noch eine andere Verwendung. Die britische Admiralität kaufte das Schiff, um es zum Ausbildungsschiff für 2000 Marinesoldaten umzurüsten.

Dabei wurden auch die Schornsteine gekürzt damit das Schiff nach Rosyth laufen konnte.

Am 08.04.1937 verließ die Majestic Southampton um nach Rosyth gebracht zu werden. Das Kommando für diese Überfahrt hat Captain John William Binks übernommen, der vorher schon unter anderem die Olympic kommandiert hatte.


Promenadendeck
Sammlung Thorsten Totzke

Im September 1939 lag das Schiff im Firth of Forth verankert, als an Bord ein Feuer ausbricht. Bei den Löscharbeiten wird soviel Wasser in das Schiff gepumpt, das es auf ebenen Kiel im flachen Wasser sinkt.

Das Schiff wurde zum Totalverlust erklärt. Im März 1940 kauft erneut T.W. Ward das Schiff zum abwracken.

In den nächsten 3 ½ Jahren wird alles bis zur Wasseroberfläche an Ort und Stelle abgebrochen. Am 17.07.1943 wurden dann die Reste nach Inverkeithing geschleppt und hier endete das Leben dieses Schiffes


Damen Schreibsalon
Sammlung Thorsten Totzke

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